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Tipps von Dr. Franz Josef Burghardt:

Nichteheliche Kinder und Adoption

Früher oder später passiert es in jeder Familienforschung: In einer Taufeintragung ist plötzlich von einem „filius illegitimus“ (unehelichen Sohn) oder einer „filia illegitima“ (uneheliche Tochter) die Rede. Manchmal heißt es auch abwertend „infans spurius“ (schmutziges Kind), und der Pfarrer macht am Rand die Bemerkung „NB“ (nota bene, wohlgemerkt), um hervorzuheben, dass das Kind sittenwidrig gezeugt wurde. Fast immer heißt es „pater ignotus“ (Vater unbekannt) und oft genug neun Monate nach dem Durchzug eines Heeres „miles ignotus“ (unbekannter Soldat).

TIPP 1:
In einigen Kirchenbüchern werden die Taufen unehelicher Kinder nicht chronologisch unter die der ehelichen Kinder eingereiht, sondern am Ende des Taufbuches in einer gesonderten Liste vermerkt.

Für die Ahnenforschung stellt sich jetzt die Frage, wie in solchen Fällen weiter geforscht werden kann. Dabei muss man verschieden Fälle unterscheiden je nach dem, ob der Name des Vaters angegebene ist oder nicht.

Kein Problem entsteht, wenn der Name des Vaters genannt wird und die Eltern etwas später heiraten. Manchmal erkennt man dies an einem entsprechenden Vermerk des Pfarrers am Rand der Taufeintragung oder daran, dass das Wort „illegitim“ gestrichen und durch „legitim“ ersetzt oder einfach die Vorsilbe „il“ gestrichen wurde. Man spricht dann von einer nachträglichen Legitimierung des vorehelichen Kindes.

TIPP 2:
Ist bei der Taufe eines nichtehelichen Kindes der Name des Vaters genannt, so sollten Sie immer in den Heiratsregister nach einer Eheschließung der Eltern suchen, die später als der Zeitpunkt der Kindtaufe liegen kann.

Trägt das nichtehelich geborene Kind später den Familiennamen des Vaters, dann muss eine Legitimierung durch eine nachträgliche Heirat der Eltern erfolgt sein, trägt es den Familiennamen der Mutter, so blieb die Mutter unverheiratet.

Meistens aber heiratete die Mutter nicht den leiblichen Vater des Kindes, sondern einen anderen Mann. In diesem Fall kommt es vor, dass das nichteheliche Kind später den Familiennamen des Stiefvaters trägt. In diesem Fall stellt sich für den Familienforscher eine wichtige Frage: Soll der Stiefvater, dessen Namen das Kind trug und in dessen Familie es aufwuchs, in der Ahnentafel als Vater erschienen oder – falls bei der Taufe angegeben – der leibliche Vater des Kindes? Eine vergleichbare Frage stellt sich auch im Fall einer Adoption.

Die meisten Familienforscher entscheiden sich hier für den leiblichen Vater und vergessen dabei eine wichtige Regel der Ahnenforschung: „Pater semper incertus“, d.h. die Vaterschaft ist immer ungewiss, und zwar auch bei ehelichen Kindern! Nur die Mutter wusste, wer der leibliche Vater ihres Kindes war oder ob das Kind die Folge einer Vergewaltigung war. Wenn der Pfarrer den Namen des Vaters eintrug, so bedeutete das zunächst nur, dass der Genannte offiziell der Vater war. Entscheidend war in allen Fällen – ehelich oder nichtehelich – das soziale Umfeld, in dem das Kind aufwuchs: Die Eltern legten den sozialen Stand des Kindes durch Besitz, Bildung und Beruf fest völlig unabhängig davon, wer tatsächlich der leibliche Vater war.
Fragen Sie daher nicht unnötig nach dem leiblichen Vater des Kindes, sondern danach, welcher Mann das Kind als „sein Kind“ angenommen hat. Wenn die Mutter unverheiratet blieb, wuchs das nichteheliche Kind im allgemeinen mit der Mutter bei deren Eltern auf. In diesem Fall „fehlt“ in der Ahnentafel die väterliche Seite.

TIPP 3:
Akzeptieren Sie, dass sie (fast) nie mit Sicherheit wissen, wer der leibliche Vater eines Kindes ist. „Vater“ ist der Mann, der bei einem ehelichen Kind im Taufbuch als solcher genannt wird, oder der Mann, der ein nichteheliches Kind als sein Kind angenommen hat.

Dies sollte auch für Adoptionen gelten: Das adoptierte Kind tritt in die Rechtsnachfolge der Adoptionseltern ein, deren Namen und Tradition es fortführt. In der Ahnentafel erschienen also nicht die „leiblichen Eltern“, sondern die Adoptiveltern.

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