-

Ancestry

Tipps von Dr. Franz Josef Burghardt:

Was bedeutet mein Familienname?

In meinen Seminaren werde ich immer wieder gefragt: Was bedeutet eigentlich mein Familienname? Woher kommt er und seit wann gibt es ihn?

Meine Antwort lautet dann zuerst: Finden Sie es selbst heraus, suchen Sie nach Ihrem Namen in früheren Zeiten. Es ist nämlich eine spannende Geschichte herauszufinden, ob der Name vielleicht auf einen Beruf der älteren Vorfahren, auf ihren Wohnort, auf körperliche Merkmale oder etwas ganz anderes hinweist. Nehmen wir an, Sie heißen Müller, Becker, Kaufmann, Zimmermann oder Köhler. Dann ist klar, dass ein Beruf gemeint ist. Aber wann wurde der Beruf Ihres Vorfahren zum Familiennamen?

Damit sind wir schon bei der wichtigen Frage, warum es überhaupt Familiennamen gibt. Im Hochmittelalter, also vor etwa 1000 Jahren, gab es sie nämlich noch nicht; jeder trug nur den Namen eines Heiligen, der ihm bei der Taufe gegeben wurde, also den „Vornamen“ im heutigen Sinn. Erst als im 12. und 13. Jahrhundert die Handelsstädte mit vielleicht 500 oder sogar 1000 Menschen entstanden, genügten die Vornamen zur Unterscheidung nicht mehr. So finden wir in dieser Zeit die ersten Familiennamen, die sich z. B. an Leitnamen orientierten: Häufig trug der älteste Sohn jeweils den Taufnamen des Vaters, etwa über viele Generationen den Namen Gerhard. Dann konnte daraus auch ein Familienname werden, häufig auch in der Genitiv-Form Gerhards, was man in Norddeutschland in der Form Gerhardsen, also Gerhars-Sohn findet. Ebenso konnte aber auch ein in mehreren Generationen fortgesetzter Beruf namengebend sein, oder ein besonderes körperliches Merkmal wie Lang oder Dick. Gehörten Ihre Vorfahren also schon vor 1700 zu den alten Familien einer größeren Stadt, so ist es i. a. nicht mehr möglich, die Entstehung eines Namens nachzuweisen, da einfach die nötigen Quellen fehlen. Ausnahmen sind die reichen Familien, also die Patrizier, über die häufig zahlreiche Besitzurkunden, Kauf- und Heiratsverträge sowie Testamente vorliegen.

TIPP 1
Achten Sie auf früher übliche Vornamenformen!

Bei den Berufen muss man wissen, dass es vor der Industrialisierung zahlreiche Berufszweige gab, die sich auf einen kleinen Teil der später von Maschinen übernommenen Produktionsprozesse konzentrierten. Im 16. Jahrhundert wurden viele Berufsnamen auch ins Lateinische übersetzt, z.B. wurde Fischer zu Piscator und Kaufmann zu Mercator. Auch dazu findet man eine ausführliche Liste bei Ribbe-Henning.

TIPP 2
Es gibt viel mehr Familiennamen, die eine alte Berufsbezeichnung verbergen, als man glaubt.

Fast alle unsere Vorfahren haben aber früher auf dem Land oder in sehr kleinen Städten gewohnt, und dort entstanden die Namen erst sehr viel später. Von Region zu Region sehr unterschiedlich, findet man Familiennamen erst nach und nach im 16., 17. und 18. Jahrhundert, in Teilen des Emslandes sogar erst im 19. Jahrhundert. Neben den oben erwähnten Vornamen, Berufen oder körperlichen Merkmalen ist hier besonders die Herkunft als Namengeber wichtig. Dabei wurde dem Taufnamen der Wohn- oder Herkunftsort hinzugefügt, also „Johann am Bach“, „Johann vom Berg“. So sind die meisten Ortsnamen auch zu Familiennamen geworden. Schauen Sie sich dazu doch bitte einmal die Liste der Bewohner des Ortes (Köln-)Brück aus dem Jahr 1666 an (www.koeln-brueck.de/geschich/bew_17jh.htm). Dabei tritt häufig die Schwierigkeit auf, dass viele kleine Wohnplätze im Laufe der Zeit untergingen und daher heute nur noch in Flurnamen zu finden sind. In diesen Fällen spricht man von „Wüstungen“.

TIPP 3
Alte Katasterkarten aus dem 19. Jahrhundert oder die Kenntnisse von Heimatforschern helfen bei der Auffindung alter Ortsnamen. In diesen Fällen wenden Sie sich am besten an das jeweilige Stadt- oder Gemeindearchiv.

In einigen Regionen Deutschlands wurden bis in die jüngere Zeit hinein auch Haus- oder Hofnamen zur Kennzeichnung einer Person verwendet. Heiratete dort ein Mann in einen Hof ein, so erhielt er dessen Namen, wie z. B. der folgende Heiratseintrag von 1808 aus Westfalen zeigt: Zur Abstammung der Braut Anna Maria Elisabeth Stäppeler heißt es nata petre Joanne Theodoro Stäppeler, nata Schnietzmeyer, et matre Anna Maria Stäppeler, agricolis et colonis prodii Stäppeler communitatis Dorfbauerschaft. Der Brautvater Johann Theodor Schnietzmeyer hat also bei der Einheirat in den Hof Stäppeler dessen Namen angenommen, den auch schon seine Frau trug.

Häufig werde ich gefragt, was in manchen alten Einträgen „genannt“ (lateinisch condicta) bedeutet. Dies ist immer der Hinweis darauf, dass die Person neben ihrem Vornamen mit zwei Namen bezeichnet werden konnte, Zum Verständnis einer solchen Doppelnamigkeit muss man zwischen adligen und bürgerlichen Personen unterscheiden.

Beim Adel bezeichnet einer der beiden Namen durchweg die alte Herkunft, also den Rittersitz, den die Familie im Hohen oder Späten Mittelalter besessen hat. Der zweite Name kann ein Hinweis auf eine von der Familie gewählte Wappenfigur sein oder auch einen späteren Wohnsitz bezeichnen. Beispiele im Bergischen Land sind von Scheid genannt Weschpfennig, von der Hoven genannt Pampus, von dem Bottlenberg genannt Kessel oder von dem Bottlenberg genannt Schirp.

Bei bürgerlichen Personen findet man die Doppelnamigkeit fast nur bei Frauen, z. B. Anna Becker genannt Hillesheim. In diesem Fall kann die gleiche Frau also manchmal als Anna Becker oder als Anna Hillesheim, manchmal aber auch als Anna Becker genannt Hillesheim oder umgekehrt als Anna Hillesheim genannt Becker erscheinen. Kennt man den Familiennamen des Ehemannes (z. B. Hillesheim), so weiß man auch, welchen Familiennamen sie durch ihre Geburt trug (z. B. Becker).

TIPP 4
Vorsicht bei angeblicher Änderung des Familiennamens der Frau bei der Eheschließung!

In vielen Regionen Deutschlands war das nämlich nicht der Fall. Suchen Sie also die Sterbeeintragung zu einer Frau nicht nur unter dem Familiennamen des Ehemannes. Erst das Bürgerliche Gesetzbuch schrieb seit 1900 generell vor, dass die Frau bei der Heirat den Familiennamen des Mannes erhält. Die jüngsten Namenrechtsänderungen, die der Frau die Beibehaltung ihres Namens ermöglichen, stellen daher teilweise nur wieder die alte Rechtsauffassung her.

Übrigens: Seien Sie nicht überrascht, wenn Ihr Familienname früher anders geschrieben wurde als heute. Erst seit etwa 150 Jahren haben sich die Schreibweisen nicht mehr geändert. Davor schrieb man die Namen so, wie man sie hörte, in meinem Fall also Burkart, Burchart, Borchert usw. Besonders bei mehrfachem Wohnortwechsel konnte ein Name mehrfach so umgeschrieben werden, dass man die ursprüngliche Form heute kaum nicht erkennt, aber das finden Sie durch Ahnenforschung bald heraus.

TIPP 5
Forschen Sie nach der alten Schreibweise Ihres Namens!


Literaturtipp:
Als preisgünstiges Namenlexikon, in dem die Bedeutung sehr vieler Namen erklärt und zahlreiche frühe Fundstellen genannt werden sei empfohlen H. Bahlow: Deutsches Namenlexikon (Suhrkamp TB 65, Frankfurt a.M. 1972).

Wer sich vertieft mit der Namenkunde (Etymologie) beschäftigen möchte, der sollte sich einmal das Standardwerk von Brechenmacher ansehen: J.K. Brechenmacher: Etymologisches Wörterbuch deutscher Familiennamen (2 Bde. mit 28.500 Namennachweisungen; C.A. Starke Verlag, Nachdruck 1992).

Ancestry-Newsletter

Lernen Sie über neue Aufzeichnungssammlungen und Merkmale, erhalten Sie Ratschläge von Experten, lesen Sie Erfolgsgeschichten und mehr.
Kostenlos anmelden

Ancestry-Newsletter

Klicken Sie auf einen der Links, um die letzten Newsletter zu lesen.

- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
  ...mehr

Beginnen Sie mit Ihrem Familienstammbaum

Stammbäume sind der ideale Platz, um Ihre gefundenen Informationen zu speichern und organisieren.

Klicken Sie hier, um jetzt Ihren Familienstammbaum zu erstellen.