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Geschichte der Familiennamen

Hintergrundinformationen zum Thema Namensforschung

Die Chinesen waren die Ersten, die Familiennamen bereits um 2850 vor Christus eingeführt haben. Da dort Clans herrschten, wurde der Familienname aus einem der 438 Worte aus dem Gedicht „Namen der 100 Clans“ entnommen.

Auf dem europäischem Kontinent folgten dann die Römer, bei denen drei Namen üblich waren: Der Rufname (Vorname), gefolgt vom Geschlechts- oder Stammesname und zuletzt der Familiename. Als das Römische Reich im Zeitraum 300 – 600 nach Christus zu zerfallen begann, wurde wieder der Gebrauch nur eines Namens, nämlich des Rufnamens, üblich.

Im deutschsprachigen Raum beginnt die eigentliche Geschichte der Familiennamen erst im 12. Jahrhundert.

Dort reichte lange Zeit ein Rufname (Vorname) aus, um eine Person zu identifizieren.

Bis in das 12. Jahrhundert war es hier üblich, das Personen nur „Josef“, „Peter“ oder „Maria“ hießen. Da es aber bereits zu dieser Zeit Modenamen gab, reduzierte sich die Vielfalt der Rufnamen, was einen Rückgang der aus dem Germanischen stammenden Rufnamen zur Folge hatte.

Hinzu kam das zwischen dem 12. und14. Jahrhundert einsetzendem drastischem Bevölkerungswachstum. Die Bevölkerungszahlen des Gebietes des späteren Deutschlands lagen in etwa bei 4 Millionen im Jahr 1000, im Jahr 1200 bei 8 Millionen und nur 140 Jahre später bereits bei 14 Millionen. Es gab zur damaligen Zeit bereits Großstädte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Dazu zählten unter anderem Köln (um das Jahr 1400 mit 40.000 Einwohnern), Lübeck (24.000), Nürnberg (22.800) und Frankfurt am Main (20.000), um nur einige zu nennen.

Nun gab es in einem Ort plötzlich z. B. drei Personen mit dem Namen „Josef“. Ein Name reichte nun nicht mehr aus, um eine Person eindeutig anzusprechen bzw. zu identifizieren. Aufgrund dieser Situation entwickelten sich aus dem Rufnamen nun ein Rufname + beschreibende Wörter (Beruf oder Aussehen oder Charaktereigenschaften oder Geburtsort oder Wohnort des Namensträgers), welche die Josefs zu ihrem Vornamen hinzubekamen.

So gab es von nun an „Josef den Schmied“, „Josef mit den krausen Haaren“, „Josef den wilden“ und den „Josef aus Niederbüttel“, der aus dem gleichnamigen Ort ins Dorf gezogen war. Diese beschreibenden Wörter wurden Beinamen genannt. Eine Person hatte fortan also einen Ruf- und Beinamen. Diesen Beinamen trug aber nur die genannte Person, wenn der Sohn von „Josef der Schmied“ auch Josef hieß, aber das Bäckerhandwerk erlernte, hieß jener Sohn dann „Josef der Bäcker“.

Problematisch wurde es, wenn der Sohn auch Schmied wurde, dann gab es zwei „Josef der Schmied“ im Dorf. Es entwickelten sich Beinamen-Zusätze wie „der jüngere“. Ein weiteres Problem tat sich auf, wenn zum Beispiel „Josef der Schmied“ dann Schultheiß im Dorf wurde. Dann wurde aus „Josef dem Schmied“ plötzlich „Josef der Schultheiß“. In kleineren Dörfern, wo sich alle Beteiligten kannten, mochte diese Methode gut funktioniert haben. Jedoch wurde es in größeren Städten zunehmend schwieriger, die Personen eindeutig zu bestimmen. Die Städte wuchsen in dieser Zeit rasant und die Herrschenden nahmen mehr und mehr Daten der Bürger zu den Akten. Die Besteuerung und vor allem der Militärdienst machten es erforderlich, die Menschen genauer zu kennzeichnen. In den ländlichen Gegenden führten die Herrscher Bücher über Landbesitz und die dort wohnenden Familien.

Wenn man sich vorstellt, dass alle Kinder und Enkel von „Josef dem Schmied“ auch Josef hießen und Schmiede waren, ließen sich nach zwei oder drei Generationen amtliche Dokumente oder Besitztümer nicht mehr genau zuordnen. Aus administrativen Gründen musste also eine genauere Namensgebung her, die folgende Punkte erfüllen musste: Der Name musste amtlich verbindlich sein, er musste lebenslang Bestand haben und auf die nächsten Generationen vererbt werden. Als Folge verschwand der Beiname und der feste Nachname (Familienname) setzte sich durch. „Josef der Schmied“ wurde also „Josef Schmied“ und dies blieb unverändert, auch wenn Josef einen anderen Beruf ergriff oder umzog. Sein Sohn trug nun ebenfalls den Familiennamen Schmied.

Diese Entwicklung von Rufname + Beiname zu Rufname + Nachname geschah nicht von Heute auf Morgen. Sie begann etwa im 12. Jahrhundert im Südwesten Europas und verbreitete sich im 13. und 14. Jahrhundert in den Nordosten. In Städten, besonders in Ballungszentren wie Köln und Mainz, griff diese neue Namensgebung eher als in den Dörfern.

In den eher dörflichen Regionen wurde zum Teil noch im 17. und 18. Jahrhundert an der alten Namensgebung festgehalten. Die skandinavischen Länder begannen erst Anfang des 19. Jahrhunderts, Familiennamen zu gebrauchen und in der Türkei wurde erst 1933 der Familienname eingeführt.

Möglichkeiten der Familiennamensfindung

Doch wie kamen die Menschen zu Ihren Familiennamen? Oftmals wurden die Beinamen zu Familiennamen. Generell kann man sagen, dass sich die Familiennamen in folgende fünf Kategorien einteilen lassen:

Berufe als Familiennamen

Der Schmied wurde Herr Josef Schmied und der Bäcker Herr Peter Bäcker. In der Liste der häufigsten Familiennamen in Deutschland führen eindeutig die Familiennamen aus Berufsbezeichnungen. So sind die häufigsten zehn Familiennamen nur Berufsnamen. Müller (Möller), Schmidt, Schneider, Fischer, Meyer usw. Wie man am Familiennamen Schmidt sehen kann, unterlagen Familiennamen auch einem Wandel im Schriftbild, alle Personen die heute Schmidt oder Schmid oder Schmitt heißen gehen auf Personen dieses Berufsstandes zurück. Anfänglich, als die meisten Personen nicht lesen und schreiben konnten, wurden Namen in den Kirchenbüchern oder Stadtdokumenten festgehalten. Der jeweilige Schreiber schrieb dann den Familiennamen so wie er es für richtig erachtete bzw. wie es der regionale Dialekt oder die aktuelle Schreibweise zuließ. Damit lässt sich auch erklären, warum Boris Becker und nicht Bäcker mit Familiennamen heißt und wie aus einem Müller die Variante Möller wurde.

Unterkategorie zu den Berufsnamen

Wer heute den Familiennamen Hufnagel, Amboss oder Hammer trägt, kann trotzdem von einem Schmied als Familiennamensgeber ausgehen. Denn nicht nur die reine Berufsbezeichnung wurde verwand, sondern auch Ableitungen wie z. B. die benutzten Arbeitsmaterialien. Hammer als charakteristisches Werkzeug, Stahl als Arbeitsmaterial, Hufnagel als Erzeugnis oder aber auch Feuer oder Funke als Begleiterscheinung des Arbeitsvorgangs.

Wohnstätten, Wohnsitz als Familienname

Wenn man den Familiennamen Bachmann hört, kann man davon ausgehen, dass die Person (ein Mann) an einem Bach wohnte. Herr oder Frau Nord wohnten im Norden des Dorfes. Familie Sommerhof hatte den Hof an der Sonnen- oder Südseite des Dorfes. Familiennamen, die eine Beschreibung der Lage der Behausung im Dorf geben, also Nord, Bach, Hügel, Waldrand, nennt man Wohnstättenname.

Herkunftsort als Familienname

Wie oben bereits beschrieben heißt „Josef Niederbüttel“ so, weil der ursprüngliche Namensgeber aus dem Ort Niederbüttel kam bzw. dort geboren wurde. Hier spricht der Fachmann von einem so genannten Herkunftsnamen. Weitere Beispiele wären Berlin oder Schlesinger (für Schlesien).

Allerdings lassen sich einiger Familiennamen nicht eindeutig der Kategorie „Wohnstättenname“ oder der Kategorie „Herkunftsname“ zuordnen. Beim Familiennamen „Steinborn“ kann es sich um einen Herkunftsnamen zu dem gleich lautenden Ortsnamen in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, ehem. Brandenburg/jetzt Polen, Schlesien handeln. Es kann sich aber auch um einen Wohnstättennamen für jemanden handeln, der an einem steinernen Brunnen bzw. bei einer Felsenquelle siedelte, beziehungsweise dort zur Welt kam, denn Born war die Bezeichnung für Brunnen.

Übernamen (Körperliche Merkmale, Charaktereigenschaften als Familienname)

Der „Albatros“ Michael Groß trägt seinen Familiennamen bei einer Körpergröße von
2,01 m zu recht. Wäre sein Familiennamensgebender Vorfahr eher kleiner Natur gewesen, würden man in den Sportbüchern heute wohl eher Michael Klein oder, wenn dieser lockige Haare hatte, Michael Krause lesen. Familiennamen wie Wilde, Kess oder Weise lassen auf die Eigenschaften des Namensgebers schließen.

Rufnamen bzw. aus den Rufnamen des Vaters abgeleitete Familiennamen

Familiennamen wie Friedrichs oder Jakobsen sind eindeutige Ableitungen von Rufnamen. Friedrichs oder auch Friedrichsen lassen darauf schließen, dass der Träger oder dessen Vater Friedrich mit Rufnamen hieß.

Weitere Informationen zum Thema Namensforschung und Namensbedeutung >

 
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