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Das Bundesarchiv in Deutschland

Zweck dieses Artikels ist es, dem Leser das Bundesarchiv in Deutschland (www.bundesarchiv.de) vorzustellen und dem Forscher dessen reichlich vorhandenen Aufzeichnungen verfügbar zu machen.


Übersicht: Das Bundesarchiv von Deutschland
Da deutsche Forscher sich auf örtliche Aufzeichnungen konzentrieren, übersehen sie häufig die von der Landesregierung erstellten Aufzeichnungen, die wertvolle Informationen zu den Menschen liefern, welche in der Vergangenheit in den Städten und Dörfern Deutschlands lebten. Ohne diese Aufzeichnungen, die heute im Bundesarchiv Deutschland zu finden sind, wäre es nicht möglich, zu erfahren, wie die Zentralregierung das Leben der Menschen beeinflusste. Die Sammlung ist so umfangreich, dass sich in Zweigstellen des Bundesarchivs sogar Aufzeichnungen aus ehemals deutschen Gebieten finden, die heute zu Polen gehören. Der Kompetenzbereich des Bundesarchivs erstreckt sich auf alle Aufzeichnungen, die in den Behörden oder Geschäftsstellen der Zentralregierung von 1815 bis heute entstanden. Im Bundesarchiv werden außerdem die Aufzeichnungen aus dem Königreich Preußen und seinem Vorläufer, dem Kurfürstentum Brandenburg, vom 13. Jahrhundert bis 1945 aufbewahrt.

Nachfolgend werden die Aufzeichnungen in drei Zweigstellen des Bundesarchivs unter die Lupe genommen: Bundesarchiv Berlin; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin; Bundesarchiv Abteilung Militärarchiv.


Bundesarchiv Berlin
Das Bundesarchiv Berlin, Abteilungen Reich und DDR, beherbergt die Aufzeichnungen aus dem Norddeutschen Staatenbund (1866–1871) und dem Deutschen Kaiserreich (1871–1919) mit Ausnahme militärischer Aufzeichnungen, auf die weiter unten eingegangen wird. Forscher können die unveröffentlichten Inventare dieses Archivs durchsuchen und eine Menge Informationen dazu finden, wie die deutsche Regierung die Auswanderung ihrer Bürger handhabte. Diese Sammlungen umfassen statistische Berichte zu den Zahlen der Auswanderer, die in die Vereinigten Staaten reisten, sowie Berichte zu vielen anderen Aspekten der Auswanderung. Zur Verdeutlichung sind Zeitungsausschnitte beigefügt, die den in diesen Berichten erläuterten Problemen einen Hintergrund geben. Regierungsbeamte berichteten über die Bedingungen an Bord von Auswandererschiffen und die Aktivitäten von Auswanderungsagenten. In dieser Sammlung befinden sich nur wenige Auswandererlisten, und diese beziehen sich normalerweise auf Auswanderer oder Familien, die Besitz geerbt oder nach dem Tod Besitz in Deutschland hinterlassen haben.

Die meisten Aufzeichnungen im Zusammenhang mit der Auswanderung sind in den Sammlungen des Reichsministeriums des Innern und der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amts zu finden. Wenn ein Forscher sich über spezielle Teile der Sammlungen informieren möchte, die auf Mikrofilm zum Verkauf stehen, sollte er sich an das Bundesarchiv Berlin wenden und um Fotokopien der Inhaltsseiten aus den Findbüchern dieser Behörden bitten.

Ein neuer Teil der Sammlungen dieses Archivs ist für Forscher sehr wertvoll, deren Familienmitglieder in Deutschland Verbindungen zur NSDAP, der SS oder der SA hatten. Diese Aufzeichnungen wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten beschlagnahmt und anschließend beim U.S. Berlin Document Center, geleitet von der National Archives and Records Administration of the United States, aufbewahrt. Sie enthalten Informationen zur Mitgliedschaft, dem Personal und andere Aufzeichnungen der NSDAP. Die Vereinigten Staaten gaben diese Aufzeichnungen 1994 an Deutschland zurück und wurden anschließend in das Bundesarchiv in Berlin verbracht. Eine Mikrofilmkopie wurde in den United States National Archives in College In den Akten der NSDAP sind wahrscheinlich mehr als eine Million Mitglieder der nationalsozialistischen Partei und ihrer Untergruppen verzeichnet. Darüber hinaus wurden Tausende von Akten über Nichtmitglieder der NSDAP geführt, die bei der SS oder anderen Organisationen der Partei angestellt waren. Zu den auf ca. 40.000 Rollen Mikrofilm gebannten Akten gibt es einen Namensindex. Die Mikrofilme werden sowohl beim Bundesarchiv (www.bundesarchiv.de) als beim United States Archives in Maryland (Archives II, Textual Reference Branch, National Archives, 8601 Adelphi Road, College Park, MD 20740-6001, www.archives.gov)  aufbewahrt


Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
Eine der ältesten Archivzweigstellen des Bundesarchivs ist das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. In diesem Archiv werden die Aufzeichnungen aus dem Königreich Preußen und seinem Vorläufer, dem Kurfürstentum Brandenburg, aufbewahrt. Hier befinden sich Aufzeichnungen aus den königlichen Behörden aller preußischen Provinzen. Die größten Sammlungen sind die von militärischen Aufzeichnungen der preußischen Armee vor 1866, von Aufzeichnungen von Militärkirchen, von Aufzeichnungen der Königsfamilie, dem Haus Hohenzollern, sowie von örtlichen und kleinstädtischen Aufzeichnungen aus den Provinzen Preußens, die 1919 (Posen, Nordschlesien) und 1945 (Westpreußen, Ostpreußen, Pommern und Südschlesien) ein Teil von Polen wurden. Es gibt keine vollständigen Sammlungen zu allen heute in Polen liegenden preußischen Einflussbereichen, da sich zahlreiche Aufzeichnungen aus Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Posen und Südschlesien sowie den preußischen Besitzungen Südpreußen und Neuostpreußen von 1796 bis 1806 in polnischen Archiven befinden.

Die Aufzeichnungen, die von örtlichen preußischen Beamten in jenen preußischen Provinzen angefertigt wurden, welche Teil der Deutschen Demokratischen Republik (Sachsen, Brandenburg) oder der Bundesrepublik Deutschland (Hannover, Rheinland, Schleswig-Holstein, Westfalen, Hessen-Nassau) blieben, befinden sich in den Staatsarchiven des jeweiligen heutigen Bundeslandes, das die historische preußische Provinz umfasst (Brandenburg = Brandenburg, Niedersachen = Hannover, Nordrhein-Westfalen = nördliches Rheinland und Westfalen, Rheinland-Pfalz = südliches Rheinland). Ein Inventar eines Teils der Sammlungen des Geheimen Staatsarchivs wurde vor einigen Jahren veröffentlicht, und Forscher können möglicherweise eine Kopie davon erhalten: Hans Pranig, Ruth Bliß und Winfried Bliß, Übersicht über die Bestände des Geheimen Staatsarchivs in Berlin-Dahlem, Teil I, Provinzial- und Lokalbehörden (Köln und Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung KG, 1966). Das Geheime Staatsarchiv veröffentlicht eine zweiseitige Broschüre, die eine Übersicht über seine Sammlungen bietet.

Schriftliche Anfragen nach Informationen sollten den Namen der gesuchten Person, ihr Geburtsdatum und ihren Geburtsort sowie Informationen zu Militärdienst, Beschäftigung, Auswanderung und andere Daten, die Hinweise auf die Art von möglicherweise geeigneten Aufzeichnungen geben können, enthalten. Familienhistoriker sollten bedenken, dass Daten zu älteren Generationen leichter gefunden werden können, indem Aufzeichnungen zu Personen jüngerer Generationen durchsucht werden. Um beispielsweise die Namen der Eltern einer Person in Erfahrung zu bringen, sollte der Forscher dem Archivar den Namen eines Kindes, sein Geburtsdatum und seinen Geburtsort mitteilen, sofern bekannt. Es werden mindestens Angaben zu einem Wohnort, einer Heirat oder einem Tod benötigt. Wenn dem Archivar der Wohnort einer Person bekannt ist, wird er in Aufzeichnungen zu Kirche, Staatsbürgerschaft, Ausbildung, Schulzeit und Impfungen suchen. In den meisten dieser Quellen sind die Eltern der jeweiligen Person genannt.

Beim Durchsuchen der Aufzeichnungen im Geheimen Staatsarchiv fand ich Informationen zur Heimatstadt eines Urahns, die unter den Sammlungen zur preußischen Provinz Posen aufgeführt waren. Diese Heimatstadt war Schwerin an der Warte in Westposen. Heute heißt diese Stadt Skwierzyna und ist in der Region Poznan gelegen. Unter den zahlreichen im Geheimen Staatsarchiv aufbewahrten Aufzeichnungen zu dieser Stadt fanden sich auch Informationen zum Besuch der örtlichen Schule. Zusammen mit Dutzenden von anderen Schülern waren hier die Kinder der gesuchten Familie komplett mit Alter und Name ihres Vaters aufgeführt.


Bundesarchiv Abteilung Militärarchiv
Einzelne Aufzeichnungen zu preußischen und kaiserlichen deutschen Soldaten und Marineangehörigen, die zwischen 1871 und 1914 dienten, wurden während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Die Personalakten der deutschen Armee, Marine und Luftwaffe von Personen, die in beiden Weltkriegen dienten, stehen jedoch im Bundesarchiv Abteilung Militärarchiv zur Verfügung. Eine weitere wichtige Sammlung in diesem Archiv enthält die Lazarettakten und Krankenblätter aller Abteilungen des Militärs von vor 1890 geborenen Personen, die während ihres Dienstes krank oder verletzt wurden. Krankenblätter von Personen, die nach 1890 geboren wurden, sind im Krankenbuchlager Berlin zu finden. Indizes gibt es sowohl zu den Personalakten als auch zu den Krankenblättern. Personalakten enthalten Daten zu Geburt, Herkunft und Heirat sowie den Wehrpass eines Soldaten. In Krankenblättern ist im Allgemeinen ein Geburtsdatum und häufig auch ein Geburtsort verzeichnet. Schriftliche Anfragen enthalten in der Regel den Namen des Soldaten und sein ungefähres Geburtsdatum sowie etwaige Informationen zu seinem Wehrpass.

Nach dem Ersten und später auch nach dem Zweiten Weltkrieg suchten zahlreiche Deutsche Zuflucht in den Vereinigten Staaten. Die Aufzeichnungen im Bundesarchiv Abteilung Militärarchiv bieten wesentliche Informationen zu Millionen von deutschen Soldaten, Angehörigen der Marine und der Luftwaffe, deren Verwandte heute in den Vereinigten Staaten leben Die in den achtzehn Zweigstellen des Bundesarchivs aufbewahrten Aufzeichnungen helfen Familienhistorikern bei der Suche nach Informationen zu Familienmitgliedern, die beide Weltkriege miterlebt haben. Die Dokumente in diesem Archiv erzählen darüber hinaus die Geschichte Tausender von Auswanderern, die in deutschen Gemeinden lebten, die heute zu Polen gehören. Aber diese Aufzeichnungen bieten noch mehr. Vor lauter Eifer, die Familienaufzeichnungen zu vervollständigen, wird häufig übersehen, dass Familiennamen in Zusammenhang gebracht werden müssen, um in Kontakt mit der Vergangenheit zu kommen. Diese Informationen können Aufzeichnungen nationaler Regierungsbehörden liefern, und sie helfen dabei, herauszufinden, welche Rolle unsere Vorfahren in jenen Ereignissen spielten, die heute von Studenten der deutschen Geschichte studiert werden.

-- Raymond S. Wright III ist Professor an der Brigham Young University, wo er Ahnenforschungsmethoden, europäische Familiengeschichte und deutsche und lateinische Paläografie unterrichtet.

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