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Ancestry

Wie lang ist eine Generation?
von Donn Devine, CG, CGI

Wir messen die Zeit oft in Generationen, aber wie lang genau ist eine Generation?

Laut Allgemeinwissen ist eine Generation durchschnittlich 25 Jahre – von der Geburt eines Elternteils bis zur Geburt eines Kindes – lang, auch wenn hierbei große Unterschiede auftreten können. Wir akzeptieren außerdem allgemein, dass früher eine Generation nur etwa 20 Jahre lang war, da zu früheren Zeiten die Menschen früher Kinder bekamen und die Lebenserwartungen geringer waren.

In der Genealogie wird die Länge einer Generation hauptsächlich als Prüfung der Glaubhaftigkeit eines Beweises genutzt: Eine zu lange Zeitspanne zwischen Eltern und Kind, vor allem in der mütterlichen Linie, war ein Grund, um einen Schritt zurückzutreten und noch einmal zu untersuchen, ob die gefundenen Fakten wirklich der Realität entsprechen, ob möglicherweise eine Generation übersprungen wurde oder ob Daten für zwei unterschiedliche Menschen derselben Person zugeordnet wurden. Zu diesem Zweck war der Durchschnitt von 20 bis 25 Jahren recht gut geeignet. Geburtsdaten, die zu sehr vom Durchschnitt abwichen, deuteten meist auf einen Fehler hin.

Doch mittlerweile bemerken die Forscher, dass die Fakten von unseren bisherigen Annahmen abweichen: Generationen sind möglicherweise länger, als bisherige Schätzungen vermuten ließen.

Mehrere kürzlich durchgeführte Studien zeigen, dass Generationen der männlichen Linie, vom Vater zum Sohn, durchschnittlich länger sind als die auf der weiblichen Seite, von der Mutter zur Tochter. Sie zeigen auch, dass beide Seiten länger sind als das Zeitintervall von 25 Jahren, das allgemein einer Generation zugewiesen wird. Die männliche Generation ist mindestens um ein Drittel länger, die weibliche etwa um ein Sechstel.

Schon 1973 stellte der Archäologe Kenneth Weiss die Zeitspannen von 20 und 25 Jahren infrage, da er aus Analysen prähistorischer Friedhöfe schließen konnte, dass 27 Jahre eine geeignetere Schätzung sind. Er erkannte jedoch gleichzeitig, dass seine Schlussfolgerung eventuell durch Mitglieder der Gemeinschaft verfälscht wurde, die nicht im Dorf starben und auch nicht dort begraben wurden.


Alter als wichtiger Faktor
In einer aktuelleren Studie zur Länge der Generationen berechnete die Soziologin Nancy Howell die durchschnittlichen Generationenintervalle bei den lebenden Mitgliedern des Sammler- und Jägervolks !Kung aus Botswana und Namibia. Deren Lebensstil ähnelt noch sehr dem Leben unserer Vorfahren, bevor sie sich auf Ackerbau verlegten. Das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes betrug 20 Jahre, bei der Geburt des letzten Kindes 31 Jahre. Dies führt zu einem Durchschnitt von 25,5 Jahren für die weibliche Generation, eine Zahl, die deutlich über den 20 Jahren liegt, die Urvölkern üblicherweise zugeschrieben wird. Die Väter waren sechs bis 13 Jahre älter als die Mütter, sodass ein männliches Generationenintervall 31 bis 38 Jahre betrug.

Eine andere Studie der Bevölkerungsgenetiker Marc Tremblay und Hélène Vézina basiert auf 100 aufsteigenden Genealogien aus Québec. Die Forscher bestimmten ein Generationenintervall, basierend auf den Jahren zwischen den Eheschließungen der Eltern und der Kinder, auf durchschnittlich 31,7 Jahre und sie stellten fest, dass männliche Generationen im Durchschnitt 35,0 Jahre betrugen, während eine weibliche Generation durchschnittlich 28,7 Jahre dauert.

Der Bio-Anthropologe Agnar Helgason und seine Kollegen nutzten die isländische Gendatenbank deCODE, um auf durchschnittlich 28,12 Jahre für weibliche Linien und 28,72 Jahre für die Gesamtlänge zu kommen. Die männliche Linie weist einen ähnlichen Unterschied auf: 31,13 Jahre für die aktuellen Generationen und 31,93 Jahre insgesamt. Um auf eine mathematisch einfachere Zahl zu kommen, empfohlen Helgason und seine Kollegen für weibliche Generationen einen Durchschnitt von 30 Jahren und für männlichen Generationen einen Durchschnitt von 35 Jahren festzulegen. Dabei sollten die Ergebnisse der Studien aus Québec und Island vereinigt werden.


Berechnen von Ideen
Was bedeutet dies für den Ahnenforscher? Wenn für die Zuweisung von Daten zu anthropologischen Vorfahren, die vor 50 oder mehr Generationen gelebt haben, der „akzeptierte“ Durchschnitt von 20 oder 25 Jahren als Umrechnungsfaktor angewendet wird, kann dies zu wesentlichen Unterschätzungen des Zeitintervalls führen.

Ich selbst habe mich aufgrund der verschiedenen Forschungsergebnisse und meinem Wunsch nach einer Schätzung, die sich einfach berechnen lässt, dafür entschieden, dass drei Generationen pro Jahrhundert (je 33 Jahre) für männliche Linien und 3,5 Generationen pro Jahrhundert (je 29 Jahre) für weibliche Linien eine bessere Berechnungsgrundlage bieten als die Kalkulation von Generationen in Jahren.

Um die Genauigkeit meiner Werte zu überprüfen, habe ich mich entschieden, die Generationenintervalle von vollständig männlichen oder vollständig weiblichen Vorfahren in meinen eigenen Familienlinien zu vergleichen. Dafür nahm ich die Jahre 1700 bis 2000 als Grundlage. Ich war positiv überrascht, wie sehr die Intervalle mit den von mir verwendeten Schätzungen übereinstimmten. Für insgesamt 21 Generationen aus fünf verschiedenen männlichen Linien betrug das durchschnittliche Intervall knapp 34 Jahre pro Generation. Für die 19 Generationen aus vier verschiedenen Linien betrug der Durchschnitt exakt 29 Jahre pro Generation.

In der Genealogie müssen Schlussfolgerungen zu Beziehungen neu überdacht werden, wenn neue Belege entdeckt werden. Genauso müssen in der Physik und der Biologie aktuelle Vorstellungen über den Haufen geworfen werden, wenn mehr Daten verfügbar werden und die Interpretation dieser Daten zu anderen Schlussforderungen führt. Wenn Genealogen nun also Generationen in Jahre umrechnen und wahrscheinliche Datumsbereiche erstellen möchten, ist ein auf Nachweisen basierendes Generationsintervall – wie das von Helgason über 30 und 35 Jahre oder aber ein eigenes, das Sie für Ihre eigene Familienforschung entwickelt haben – möglicherweise die beste Lösung.


Donn Devine, CGSM, CGISM, genealogischer Berater aus Wilmington, Delaware, ist als städtischer rechtskundiger Beamter und Archivar der katholischen Diözese Wilmington tätig. Er ist ehemaliges Vorstandsmitglied der National Genealogical Society und hat derzeit den Vorsitz des Standards Committee inne. Er ist Treuhänder des Board for Certification of Genealogists und Verwalter des DNS-Familiennamenprojekts für Devine und Baldwin.

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